Mädchen mit Autismus sehen männlich aus, zeigt eine Studie, die die Theorie des extrem männlichen Gehirns stützt

Okt 19, 2021
admin

Eine neue Studie legt nahe, dass Jungen und Mädchen mit Autismus Gesichtszüge haben, die eher männlich als weiblich sind. Eine breitere Stirn und ein schmaleres Mittelgesicht sind nur einige der charakteristischen Merkmale. Die Ergebnisse, die in Scientific Reports veröffentlicht wurden, könnten Beweise für eine umstrittene Theorie liefern, die Autismus als das Ergebnis eines „extrem männlichen Gehirns“ ansieht.

Mit Autismusforschung ist Schwesternschaft mächtig

Viele Bedingungen, die mit der Gehirnentwicklung verbunden sind, bringen charakteristische körperliche Merkmale hervor, und Forscher der University of Western Australia fragten sich, ob diese Tendenz auch für das Autismus-Spektrum gilt. Sie analysierten die Gesichtszüge von 54 autistischen und 54 nichtautistischen Jungen sowie von 20 autistischen und 60 nichtautistischen Mädchen. Sie konzentrierten sich auf Kinder im Vorpubertätsalter, denn es ist erwiesen, dass der Sexualhormonspiegel in der Pubertät ansteigt, was zu normalen Veränderungen der körperlichen Merkmale führt, einschließlich derer im Gesicht. Da sie sich auf die jüngeren Jahre konzentrierten, war es wahrscheinlicher, dass die von ihnen entdeckten Merkmale auf etwas anderes als das Altern zurückzuführen waren. Sie untersuchten die Gesichter der Studienteilnehmer genau auf 11 Gesichtsmerkmale, die typischerweise mit dem Geschlecht einer Person in Verbindung gebracht werden.

Die Forscher fanden bei Jungen und Mädchen mit Autismus deutliche Ähnlichkeiten im Gesicht im Vergleich zu denen der Kontrollgruppe. Dazu gehörten Unterschiede in der Breite des Nasenwurzelbereichs (oder der Nasenlöcher), der Höhe der Nase und der Oberlippe, der Breite und Höhe der Stirn, der Höhe der rechten oberen Wange und andere subtile Unterschiede im Gesicht. In all diesen Punkten schienen die Teilnehmer mit Autismus dem typischen Männergesicht näher zu kommen. Andere Befunde stimmten mit ähnlichen Studien überein, die den autistischen Gesichtsphänotyp als größere Höhe und Mundbreite und geringere Höhe des Mittelgesichts definiert haben.

„Untersuchungen der Gesichtsstruktur von Personen mit ASD haben das Potenzial, mehr Einblicke in die biologischen Wege zu geben, die zu Autismus führen“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.

Sie räumten auch einige Grenzen ihrer Studie ein. So waren zum Beispiel keine Daten über die pränatale Testosteron-Exposition verfügbar. Um den Zusammenhang zwischen Gesichtstypen und Testosteronexposition gründlich zu ermitteln, müssten Studien durchgeführt werden, die den Hormonspiegel im Fruchtwasser oder Nabelschnurblut messen. Die Studie umfasste auch keine Daten zur Messung des Testosteronspiegels im Alter von einem bis drei Monaten, einer Zeit in der Entwicklung eines Säuglings, die als „Mini-Pubertät“ bekannt ist und in der der Hormonspiegel tatsächlich ansteigt.

Die Bemühungen, einen Gesichtsphänotyp für Autismus zu identifizieren, könnten dazu beitragen, die klinischen Beurteilungen zu verbessern, was zu einer Diagnose in einem jüngeren Alter und zu früheren Interventionen und Behandlungen führen könnte.

Befürworter der Theorie des extrem männlichen Gehirns könnten diese neue Studie als Bestätigung ihrer Behauptung ansehen. Die 2002 von Simon Baron-Cohen, heute Direktor des Autism Research Centre in Cambridge, England, aufgestellte Theorie besagt, dass Menschen mit Autismus Persönlichkeitsmerkmale und Verhaltensweisen aufweisen, die typischerweise mit dem männlichen Geschlecht in Verbindung gebracht werden, wie z. B. mangelndes Einfühlungsvermögen und starres Denken. Diese gemeinsamen Merkmale von Menschen mit Autismus, so die Theorie, sind das Ergebnis einer höheren Belastung durch das männliche Hormon Testosteron während der fötalen Entwicklung. Viele Experten haben diese Theorie kritisiert.

Die Phänotypisierung des Gesichts wird bereits zur Identifizierung und Diagnose anderer neurologischer und genetischer Störungen wie dem Down-Syndrom eingesetzt, das durch nach oben gerichtete, mandelförmige Augen, ein flacheres Gesicht und eine flachere Nase sowie kleinere Ohren gekennzeichnet ist. Auch das fetale Alkoholsyndrom führt laut der Zeitschrift American Family Physician zu charakteristischen Gesichtsmerkmalen eines Kindes, zu denen unter anderem eine nach oben gerichtete Nase, eine dünne Oberlippe und ein kleiner Kopfumfang gehören.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.